Oliver Mark: PRESS PRESS

Arbeitnehmer, 8/2009
Arsprototo, Magazin der Kulturstiftung der Länder 12/2009

Nicht nur für Arsprototo, sondern auch für Architectural Digest, Vogue und Time Magazine hat der international tätige Fotograf Oliver Mark schon gearbeitet. Ob Jeff Koons lachend auf einem Plastikball, Bildhauer Richard Serra verschwindend in einer seiner Monumentalskulpturen oder Museumsdirektorin Renate Eikelmann als Stele zwischen Stelen: Oliver Mark hat in den zurückliegenden 15 Jahren zahllose bekannte und unbekannte Zeitgenossen portraitiert, teils effektvoll inszeniert, teils nur auf das Gesicht als Spiegel menschlichen Seins reduziert. Ergänzt um Texte von Christoph Amend. Ingeborg Harms, Jonathan Meese u. a. zeigt "Oliver Mark - portraits" 140 der bekanntesten und eindrucksvollsten Arbeiten des 1963 geborenen Fotografen. - vom wenige Monate alten Eisbären Knut für das legendäre Cover der Vanity Fair bis hin zur über 90-jährigen Louise Bourgeois in New York.

Art - Das Kunstmagazin 12/2009

Gelebtes Leben; Oliver Mark
"Fotografie", grollte österreichs Meistergrantler Thomas Bernhard einst, sei " die Katastrophe des 20. Jahrhunderts" - aber wie ungerecht dies übellaunige Urteil ist, kann der Betrachter jetzt wieder an den Bildern von Oliver Mark feststellen. Vor allem mit seinen Prominentenportraits widerlegt der 1963 in Gelsenkirchen geborene Fotograf das Diktum des Dichters: Eine Aufnahme des alten Filmabenteurers Hardy Krüger erweist sich als ebenso genaue Charakterstudie wie ein Foto, das den Maler Georg Baselitz vor einem seiner markant-heftigen Bilder zeigt; der Theaterregisseur Claus Peymann wird vor Marks Kamera zum melancholischen Herrscher mit Pappkrone, und Entertainer Udo Jürgens löffelt müde eine Bouillon. " Ich finde es schön", sagt Mark, wenn man den Portraitierten auch ihr gelebtes Leben ansieht."

Financial Times Deutschland 15.10.2009



Oliver Mark - Der stille Regisseur

Bis zur Erfindung der Fotografie war es den Malern vorbehalten, sich und uns ein Bild der Mächtigen und Reichen zu machen. In schweren Rahmen füllen Porträts Gemäldesammlungen auf der ganzen Welt. Nicht als ölbild, sondern als Fotografie werden heute vor allem Menschen porträtiert, die das Zeitgeschehen prägen. Millionenfach begegnet uns das offizielle Regentenbildnis und Unternehmerporträt, das Künstlerbild oder der Starschnitt als Fotografie in den Zeitschriften, in den Nachrichten, im Internet. Manche Porträts überstehen die schnelle Zeit und werden zum bekanntesten Bild eines Stars, an das sich die ganze Welt erinnert. Ein junger Meister dieses Genres ist der Fotograf Oliver Mark. Seitdem er 1994 den Maler A. R. Penck porträtierte, hat er Künstler, Schauspieler, Musiker, Politiker, Sportler und viele andere Persönlichkeiten mit der Kamera inszeniert. Es gelingt ihm, leise und ohne dramatische Effekte die Menschen vor seinem Objektiv auf ungewöhnliche und doch treffende Weise zu zeigen. Wo der Maler den Raum, das Licht, die Insignien des Reichtums oder der Macht frei in der Bildkomposition zusammentragen kann, hat der Fotograf wenig Freiheit, etwas hinzuzufügen. Er muss am konkreten Ort, in der vorhandenen Einrichtung sein Bild erfinden und in dieser Szene den Menschen zum Sprechen bringen. Oliver Mark führt am Set Regie, ohne dass man es bemerkt. Er benutzt alles, was er vorfindet, für seine subtilen, vielschichtigen Bildkompositionen. Er betritt die Szene wie ein Spaziergänger, der gerade des Weges kommt, neugierig, ohne aufdringlich zu sein. Die Assistenten bauen geräuschlos und schnell Lichter, Stativ und Kontrollmonitor auf. Oliver Mark beginnt das Gespräch mit der Hauptperson, während er unauffällig dirigiert, wie die Bühne für das Bild aussehen soll. Selbst wenn am Ende nichts mehr da steht, wo es war, bleibt die Atmosphäre ganz natürlich. Oliver Mark schafft mit seiner Kamera eine erstaunliche Nähe statt Distanz. Er passt die Porträtierten in die Umgebung ein, ohne sie zu verbiegen. Hier wird ohne Hektik und Lärm fotografiert - nur so öffnen sich Gesichter. Mit Oliver Mark schaut der Betrachter immer ein wenig in die Person hinein. Selbst scheue Stars verleitet er dazu, seinem bildnerischen Instinkt zu folgen. Manche lassen sich kunstvoll in Szene setzen, andere kommen gerade durch das Weglassen von Attributen besonders zur Geltung. So sind viele seiner Porträts auch sichtbare Dia- loge mit den Menschen, die er im Auftrag von Zeitschriften und Magazinen fotografierte. Fast hört man noch, was der Fotograf mit Tom Hanks, Mia Farrow oder Roberto Cavalli geredet hat, und kann sich die Antwort vorstellen - so vertraut, privat, so selbstverständlich sieht die Aufnahme aus. In einem scheinbar beiläufigen Moment entsteht das Bild, das uns später im Gedächtnis bleiben wird. Ein fremder Blick - ganz vertraut auf Menschen, die wir durch Oliver Mark irgendwie gut kennen. Achim Heine.

Welt am Sonntag, 4. Oktober 2009


Den Porträts Oliver Marks ist abzulesen, wie viel Distanz die Porträtierten zu sich selbst besitzen. Er scheint ihnen eine unheimliche Freiheit zu geben, von der Art, die ein Patient hat, wenn er auf der freudschen Couch liegt. Ich erinnere mich nicht, dass Mark viel gesagt hätte, bei Donna Leon in Venedig oder Botho Strauss in der Uckermark. Erinnern kann ich mich an die Anspannung, die von ihm ausging, eine stille Gereiztheit, die einen sehr erwachsenen Eindruck machte, so als habe er eine Gefahr gesehen, für die ich, die Schreibende, blind war. Ich glaube, dass es in diesen Momenten um die Aura des Porträtierten ging, die so viel Platz wie möglich einnehmen sollte. Zu Marks Talenten gehört eine Sensibilität für jene Schwingungen, mit denen sich eine Persönlichkeit stabilisiert. Wenn es losgeht und er einen gefallenen Ast ein Stück weiterzerrt, einen Getränkewagen ins Bild schiebt oder probehalber auf das Dach eines Vaporetto steigt, wenn also die Sphäre des Fotos sich konstituiert und mit der somnambulen Zeit auftankt, die vor dem Klick liegt, dann passiert etwas mit den Fotografierten. Sie beginnen nach sich zu suchen, sie besinnen sich auf sich selbst und entgleiten dem Netzwerk der Dinge und Pflichten. Sie tasten nach einer Balance, einem Schwerpunkt, der in ihnen selbst liegt, nach einem Sauerstoffzelt, das den Augenblick isoliert. Alles hängt für Oliver Mark davon ab, diesen Prozess nicht zu stören. Wenn er erfolgreich verläuft, ist Vertrauen da, mehr in die Elektrizität des Augenblicks vielleicht als in den Fremden mit der Kamera. Und nun offenbaren sie sich: Da sind die Schönen mit bewährten Posen, die harten Männer, die sich an ihrem Technospielzeug festhalten, die Künstler, die sich an ihr Werk anlehnen, die Sensiblen, die im Moment der Aufnahme nach einem Schneckenhaus suchen und sich mehr entwaffnend als entwaffnet in ein Kissen lehnen. Da sind die wundersam Gebrochenen, Claus Peymann als Ubu roi mit einer Pappkrone im Datschagrün, verwildert, erschöpft, mit heruntergerutschtem napoleonischem Gestus. Christoph Daum mit nacktem Oberkörper bei trüb bewegtem Himmel bis zur Brust im Wasser, verletzlich mit trotzigem Blick. Und da sind die, die sich selbst kennen und die das Ergebnis dem Betrachter mitteilen, Wolfgang Schäuble in seinem Rollstuhl, ringsum eingeschlossen von einem Bibliotheksraum, der wie eine Puppenstube wirkt - mit einer Leiter, die er nicht benutzen kann, als einziger Gesellschaft. June Newton, Schauspielerin, Fotografin und Witwe, die ihre Wehmut ausstellt, wobei ihre Blässe uns den Glanz des Lichts ahnen lässt, das für sie ausgegangen ist. Oliver Mark hat eine Schwäche für allegorische Szenen, die fast so gross wie sein Sinn für gespenstische Komik ist. Im stillen Einvernehmen mit Botho Strauss nahm er den Schriftsteller vor einem Caspar-David-Friedrich-Prospekt auf; Einsamkeit, Romantik, Idealismus, all das schwingt mit, nur dass der Porträtierte sein Adlerauge uns zuwendet, nicht steht, sondern sitzt, müde, weise und streitlustig, die Felder im Rücken und die Menschennatur fest im Blick. Für Marks abgründigen Witz steht Sigmar Gabriel, umringt von Bambis im Naturkundemuseum, ein stattlicher Politiker, die Hand salopp auf einem Rehpopo. Die Tiere scheuen nicht, und auch sonst scheint er keinen zu schrecken. Es ist, als wäre der Umweltminister in einen ölschinken röhrender Hirsche gestiegen: absurd und rührend, entlarvend und sympathisch, wenn man bedenkt, wie viel Pathos er uns in dieser Märchenszene ersparte. Unübertrefflich geglückt ist das Porträt Rolf Edens, des Berliner Nachtklublöwen, altgedienten Verführers und konkurrenzlosen Conférenciers der Leichtigkeit des Seins. Man glaubt, Nuggets und Sternenstaub aus seinen aufgewirbelten Jacketttaschen rieseln zu sehen. Polierte Goldstücke sind auch Oliver Marks stärkste Fotografien: auf dem inflationären Markt der Bilder eine Währung mit Zukunft. Ingeborg Harms, Journalistin, Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin.



17.04.2009


Red Box:
Interview mit Oliver Mark, Fotograf aus Berlin

Red Box-Interview mit dem Berliner Fotografen Oliver Mark, der unter anderem bekannt ist für seine Künstlerporträts und Promi-Aufnahmen, aber auch für Modestrecken und Architekturfotografie.

Red Box:
Herr Mark, wie bereiten Sie sich auf ein Shooting vor? Recherchieren Sie beispielsweise für ein Promi-Porträt über die Person ausgiebig vorab?
Oliver Mark:
Ganz genau. Zunächst suche ich im Internet Informationen über die Person beziehungsweise über das, was sie machen. Einige wenige Kunden schicken mir ein Expose mit Bildern und kurzer Vita der Protagonisten. Dann versuche ich einen Zusammenhang herzustellen. Das gelingt leider nicht immer, aber zumindest bekommt man dadurch einen Eindruck von dem Menschen, den man vor sich hat.

Red Box:
Sie meinen damit, einen Zusammenhang zu finden zwischen dem Porträtierten und dem Ort des Shootings?
Oliver Mark:
Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Ich habe im vorletzten Jahr Thomas Harlan für "Vanity Fair" fotografiert. Das ist der Sohn von Veit Harlan, dem Regisseur von "Jud Süss". Thomas Harlan lag damals in einer Lungenklinik, bei ihm arbeiten nur noch 18 Prozent seiner Lungen und ich habe ihn gefragt, wie viel ich ihm zumuten kann. Er erwiderte: "Sie können mir alles zumuten." Also bin ich mit ihm auf den Obersalzberg gefahren, eben weil sein Vater diese Nazi-Filme gemacht hat und der Sohn sich mit der Vergangenheit seines Vaters auseinander gesetzt hat. Er hat mir später eine E-Mail geschickt, in der er sich für die wunderbaren Porträts bedankt hat.

Red Box:
Wenn Sie bekanntere Persönlichkeiten oder Künstler porträtieren, entstehen da manchmal Konfliktsituationen, weil mit Ihnen dann zwei Künstler aufeinandertreffen, wobei der eine dem anderen eventuell in die Arbeit hineinredet?
Oliver Mark:
Das ist ganz selten der Fall. In der Regel sind die Begegnungen auf Augenhöhe und die Menschen vertrauen mir. Ich lasse aber auch niemanden schlecht aussehen. Es ist allerdings mal vor ein paar Jahren vorgekommen, dass ich Menschen mit zu viel Respekt begegnet bin. Zum Beispiel Harry Belafonte, von dem ich so beeindruckt war, dass das Foto nicht so gut geworden ist, wie ich es gerne gehabt hätte.
Red Box:
Können Sie beschreiben, wieso es nicht so gut geworden ist?
Oliver Mark:
Ich war so beeindruckt von dem, was er geschaffen hat, von seiner Persönlichkeit und Ausstrahlung, dass ich nicht mehr frei war im Kopf - das Ergebnis war langweilig, auf dem Bild war dann nur Harry Belafonte.

Red Box:
Gibt es Shootings, wo Sie den Porträtierten ein bisschen ermutigen müssen, etwas zu wagen oder nicht zu eitel zu sein? Stichwort Foto-Retusche
Oliver Mark:
Manchmal kommen im Nachhinein Anfragen, ob man dies oder jenes retuschieren könne und einen kleinen Pickel mache ich schon weg. Ich unterscheide da zwischen den Aufträgen. Die Werbewelt ist kaum noch ohne Retusche denkbar, wohingegen in der redaktionellen Welt die Grenzen fliessend sind. Aber ich bin kein Freund von allzu glattretuschierten Bildern. Ich finde es schön, wenn man den Porträtierten auch ihr gelebtes Leben ansieht.

Red Box:
In welchem Bereich arbeiten Sie denn lieber - im redaktionellen oder werblichen?
Oliver Mark:
Das ist wie beim Essen: Wenn ich nur Currywurst mit Pommes esse wird es irgendwann langweilig. Und so ist es in der Fotografie auch. Ich komme aus der Modefotografie und mache hier wieder verstärkt Produktionen. Am vergangenen Wochenende habe ich den Maler Jonathan Meese für ein Buch porträtiert. Nächste Woche fange ich eine grosse Porträt-Geschichte für den "Stern" an, danach eine Modeproduktion für die "Elle". Eine Werbeproduktion für z.B. eine Versicherung oder Bank macht mir ähnlich viel Spass.

Red Box:
Können Sie denn kurz benennen, was die drei Bereiche Porträt, Werbung und Redaktion/Interieur auszeichnet?
Oliver Mark:
Durch die höheren Budgets ist in der Werbefotografie ein professionelleres Arbeiten möglich. Ein Beispiel: Ich hatte kürzlich eine redaktionelle Modestrecke mit mehreren Locationwechseln und diversen Probes gemacht. Eine Modeaufnahme sollte mit einer reinrassigen Dogge gemacht werden, die andere auf einem Berliner Dach mit Blick über die Stadt. Die Kosten für die Dogge und das Dach waren ungefähr die gleichen. Es wurde das Dach und der Mischling des Visagisten. Bei den redaktionellen Produktionen sind die Teams oft kleiner, so dass eine andere Intimität der Bilder entsteht, da nur wenige Menschen am Set sind.

Red Box:
Was erwarten Sie von einer Repräsentanz bzw. was ist Ihnen wichtig?
Oliver Mark:
Die Aussenwirkung natürlich. Und dass mir die lästige Büroarbeit abgenommen wird. Wenn möglich, möchte ich nur fotografieren.
Red Box:
Wie viel Akquise muss man bei Ihrem Bekanntheitsstatus noch betreiben?
Oliver Mark:
Na ja, je höher man auf der Karriereleiter steigt, desto schwieriger ist es, dort zu bleiben. Also ist die Arbeit der Repräsentanz sehr wichtig. Ich versuche immer, eine Mischung der Aufträge hinzubekommen, also sowohl grosse Kampagnen als auch Strecken für Independent-Magazine. Damit man überall am Markt präsent ist.

Red Box:
Sie haben zunächst eine klassische Fotografen-Ausbildung gemacht und danach zwei Jahre assistiert. Würden Sie sagen, dass eine Ausbildung auch heute noch sinnvoll ist?
Oliver Mark:
Ich denke, man bekommt eine gute Grundlage durch die Ausbildung, wobei es auch funktioniert, nur einige Jahre als Assistent zu arbeiten. Ob jemand gut ist, entscheidet sich erst, wenn es mal nicht gut läuft. Dann kann es hilfreich sein, wenn man auf Erfahrungen aus der Ausbildung oder Assistenz zurückgreifen kann. Ich höre heute oft: "Das kann man mit Photoshop machen". Man kann das, sage ich, aber auch oft mit Licht machen. Zurück zur Ausbildung: Ich glaube, man sollte sich zunächst klar sein, ob man in die angewandte Fotografie will oder den künstlerischen Weg geht. Danach entscheidet sich, ob Ausbildung oder Studium angesagt sind.

Red Box:
Zum Abschluss: Was haben Sie in den vergangenen Jahren an Veränderungen im Markt wahrgenommen?
Oliver Mark:
Die Qualität ist deutlich besser geworden, in allen Bereichen. Als ich anfing als Assistent, gab es nur eine Handvoll bekannter Modefotografen. Heute gibt es viele Fotografen, die spezialisiert sind. Da wird der Kuchen dann natürlich kleiner.
Oliver Mark startete 1986 mit einer Ausbildung in den Fotografenberuf, assistierte danach bis 1991 bei Burda Studios Offenburg in der Modefotografie. Für vier Jahre arbeitete er festangestellt in einem Werbestudio in Nürnberg. Seit 1994 bis heute porträtiert er Künstler sowie Personen des öffentlichen Lebens, unter anderem Sir Anthony Hopkins, Cate Blanchett, Balthus, Botho Strauss, Tom Hanks, George Lukas, Jerry Lewis, Sir Peter Ustinov, Jenny Holzer, Joschka Fischer und viele Andere. Seit 1997 ist Oliver Mark freiberuflicher Fotograf in Berlin und arbeitet etwa für AD, Die Zeit, Playboy, Der Spiegel, Time, Elle, oder Stern. 1999 folgte die Aufnahme in den BFF.

Oliver Mark gibt Vorlesungen und Workshops für das Bundespresseamt, die Fachhochschule Dortmund/University of Applied Sciences 2008 bekam Mark für "Ich, Knut", einem Titelbild für die "Vanity Fair", den LeadAward in Silber für das Cover des Jahres. Oliver Mark stellt regelmässig aus, im vergangenen Jahr bei der "Zeit"-Ausstellung "Ich habe einen Traum" und bei "Schöne neue Welt" des BFF. Im April startet "Trash and Press" mit Fabrizio Bensch im Hotel Bogota, Berlin (25.4. bis 07.06.). Im Oktober erscheint ein Buch mit seinen Porträts im Hatje Cantz Verlag.

20 Jahre Kulturstiftung der Länder

Vanity Fair 21/08



Berliner Morgenpost 23.10.2006
Berliner Morgenpost 23.10.2006

ELLE, MARCH 2006

Charakterköpfe - Wer könnte das Wesen der Menschen besser ans Licht bringen als Portraitfotografen?
Wir stellen Ihnen Deutschlands neue Generation vor - die jetzt schon weltbegehrt ist!

Wer sich von Oliver Mark portraitieren lässt, macht einiges mit. Dramatiker George Tabori legte sich mit 89 Jahren fuer den Berliner Fotografen auf eine Blumenwiese - gedacht als Sinnbild für Taboris blühende Kreativität. "Für so was ist überzeugungsarbeit nötig", sagt Mark. Deshalb sichtet er schon vor dem eigentlichen Shooting die Location, setzt einen Assistenten als Double ein und schiesst Probefotos. "Die meisten lassens ich damit schnell begeistern!" Wie Star Wars Erfinder George Lucas, der sich mit einem Kissen vor der Markeschen Kamera schlafen legte. Oder wie Regisseur Claus Peymann, der im eigenen Vorgarten den Theaterkönig mit Pappkrone gab. Die Philosophie dahinter: "Das Publikum hat sich an die Gesichter der Prominenten gewöhnt,also muss ich sie auf neue, aber treffende Weise präsentieren. Die Fotos des 42-Jährigen hingen bereits in zahlreichen Ausstellungen und erscheinen in Zeitschriften wie "MAX", "PLAYBOY" oder "ARCHITECTURAL DIGEST".
STEFAN SKIERA




FAZ , 01.08.2001, Nr. 176

Auf die Inszenierung kommt es an: Künstlerportraits von Oliver Mark bei "imago fotokunst"

Was bringt einen Fotografen dazu, sich auf Portraits von Künstlern zu kaprizieren? Ist es das Verlangen, Menschen kennenzulernen, deren Werk und Tun dem eigenen Empfinden nahesteht? Oder schlicht und einfach der Wunsch von Ihnen angeschaut zu werden oder sogar ein Lächeln zu ernten? Wenn Oliver Mark,1963 in Gelsenkirchen geboren,dies vorgeschwebt haben sollte, so darf er sich über den Erfolg freuen. Marianne Hoppe lacht geradezu in die Kamera, und Heinz Berggruen schenkt Mark, natürlich vor dem Hintergrund eines Dora-Maar-Gemäldes von Picasso, ein Blick von unbezahlbarer Liebenswürdigkeit. Gewiss, andere lächeln nur verhalten, wie der im Vorjahr verstorbene Balthus oder der Pariser Fotoveteran Paul Almasy.Markus Lüpertz hält die Augen in einer schwermütigen Kopfbewegung einen Spaltbreit offen, Emil Schumacher schwenkt zwei grosse Pinsel vor der Brust, als wären es Trommelstäbe, während Katja Riemann in einer Decke gehüllt, zu schlummern vorgibt. Das Posieren ist doch der Künstler liebste Beschäftigung. Und es wundert schon gar nicht, dass sich das Enfant terrible der jüngsten Postmoderne, Jeff Koons, vor einer seiner Bildschöpfungen mit schmachtend geöffneten Lippen, Vogelaugen und Maiskörnern in Rückenlage auf einem Plastikball präsentiert, das Gesicht beifallheischend dem Fotografen und Publikum zugewandt.
Ausgerechnet dieses Foto ziert die Einladung zur Ausstellung in der Galerie " imago fotokunst" ,die sich, ihrem Profil entsprechend, für Schwarzweissarbeiten
von Oliver Mark entschieden hat. Allein das Antlitz von Anthony Hopkins darf, in dämonischen Halb- schatten gehüllt, eine leicht unheimliche Farbwirkung entfalten. Die Tür im Hintergrund kann beliebig als Symbol für den Ein- oder Ausgang der Horrorwelt interpretiert werden.
Intensivere Wirkungen erzielt Mark stehts da, wo allein das Gesicht dem Betrachter eine Aufgabe stellt. Wer ist Louise Bourgeois, mag mancher vor dem Porträt der grossen alten Dame der amerikanischen Plastik fragen, aber angesichts dieser von zahllosen Falten durchzogenen, streng beherrschten Wangen und Stirn, der geschlossenen Augen, die auf eine innere Stimme zu lauschen scheinen, und der stützend und zugleich arbeitsbereit an das Kinn gelegten Hände einer vom Licht wie herausgemeisselt fotografischen Büste wird die Frage fast überflüssig.
Nicht jeder kann und muss alle die Abgebildeten kennen. Wer zum Beispiel ist die dunkelhäutige "Helen", um deren Stirnansatz uns der Fotograf gebracht hat, um desto tiefer ihre über die Schultern wallende Haarpracht zu geniessen? Die Ausstellung könnte eine Aufforderung sein, über die Wege der Moderne, ihre alten und jungen Protagonisten wie deren Förderer nachzudenken. In erster Linie aber ist sie Zeugnis ausgereifter fotografischer Portraitkunst, die sich vor Inszenierungen nicht scheut,wenn es dem bedeutungsvollen Augenblick dient. Mag ihm die Aufmerksamkeit auch schmeicheln - im Dialog mit den Künstlern vergisst Oliver Mark nie die eigene Komposition, die erst zwischen dem Auserwählten vor dem Objektiv und dem Betrachter das vermittelnde Medium schafft.
HANS-JüRGEN ROTHER

DIE WELT, Samstag 14.Juli 2001

Eingefrorenes Innenleben, Die Porträts von Oliver Mark entstehen im Austausch von kreativer Energie zum Objekt

Der künstlerische Mensch, ob kontextlos eingefangen oder in subtiler Inszenierung, scheint dem Foto -Künstler Oliver Mark aus Berlin das grösste Faszinosum zu sein.
Der inspirierte Mensch, betrachtet man die Palette der Markschen Portraits, wird für den 1963 in Gelsenkirchen geborenen Fotografen zum inspirierenden Objekt. Gesichtszüge, individuelles Minenspiel, die mystische Aura der Kreativen studiert und bildet er ab. Dabei scheint ein symbiosehafter Austausch von kreativer Energie seine Porträts erst zu ermöglichen, von denen eine Auswahl, entstanden zwischen 1995 und 2001 derzeit in der Galerie "imago fotokunst" zu sehen ist, die sich mit einem breit gefächerten Ausstellungs- programm, meist Schwarz- Weiss Fotografien, sowie einem Workshop-Angebot einen Namen in der Berliner Kulturszene gemacht hat.
Oliver Mark schleicht sich in das schwer fassbare Innenleben von Menschen,friert es für einen Bruchteil einer Sekunde ein und lässt es somit visuell erfahrbar werden für den Betrachter. Der kann in den Zügen,Minen und Gesten der Schauspieler,Sänger,Maler lesen, versuchen, die Geschichten dahinter zu ergründen.
So viele hatte Mark vor der Linse: Anthony Hopkins mit tief zerfurchtem Gesicht und Jeff Koons, sich wie gewohnt in Lederjacke auf einem Plastikball räkelnd. Von der Installationskünstlerin Jenny Holzer nur die Hände, diese magisch gestaltenden Hände nach dem Motto "Hände sagen manchmal mehr als Gesichter".Katja Riemann, Embryonalhaltung in eien Wolldecke gehüllt, Heinz Berggruen oder eine Studie von sechs Norbert Tadeusz-Porträts, der mal sein Gesicht zermartert, mal seine Wangen auseinander-, seine Lider nach unten zieht oder sich gleichsam den Schlaf oder die Sorgen aus den Augen wischt.
Autoren, Malerminen, genial-kaputte Typen, immer wieder die Bohäme auf ihre typisch elitäre Art. Mark arbeitet nach Jahren als Fotoassistent im In- und Ausland und einer Festanstellung als Fotograf bei den Burda Studios in Offenburg seit 1997 als freier Fotograf in Berlin und konnte sich durch mehrere nationale Ausstellungen etablieren.
Seine ihm charakteristische Manier, seinen Motiven nicht atemlos und paparazzihaft hinterher zu jagen, sondern sich in die Geistes- und Sinneswelt seiner Objekte einzufühlen, des weiteren sein an John Deaken angelehnter lapidar- offener Stil, machen sein Oeuvre so authentisch und ehrlich. So ehrlich wie die sprühenden Augen von Marianne Hoppe oder der sinnlich- geheimnisvolle Blick des erst kürzlich verstorbenen Malers Balthus auf seinen Portraits.
FRANK WEGNER